Eine Geschäftsreise ist lustig

von Christin Lindner

Es war mal wieder an mir, meine Chefin auf ihrer Dienstreise zu begleiten. Bis zuletzt hatte ich versucht mich zu drücken und war dann doch nicht davon abgekommen. Aber ich war ja gewitzt gewesen und so erklärte ich es auch beim Abschied meinen Kolleginnen, die mich alle bedauerten: Ich hatte den Flug und unsere Plätze gebucht. Dabei hatte ich es tatsächlich geschafft, drei Reihen zwischen mich und Frau Meyer zu bringen und alle anderen Plätze neben uns waren belegt, so dass ein Umsetzen nicht in Frage kam. Für sie hatte ich extra einen Platz am Gang gebucht, weil ich wusste, dass sie diese bevorzugte. Also konnte sie sich nicht beschweren.

Meine lieben Kolleginnen verabschiedeten mich und freuten sich für mich, dass ich mir wenigstens während des Fluges kein Kotelette ans Ohr quatschen lassen musste, denn das war Frau Meyers Spezialität. Wenn sie erst einmal anfing, fand sie so schnell kein Ende.

Schon während der Autofahrt zum Flughafen tat ich größtenteils so, als würde ich vor mich hin dösen. Ich war tatsächlich müde, hatte ich doch ein anstrengendes Partywochenende hinter mir.

Am Flughafen wurden wir dann genauestens gefilzt und mussten sogar die Koffer öffnen. Frustriert, ohne Haarspray und Deo weiter reisen zu müssen, fiel mein Blick auf das Flugzeug. Ich schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Dass es nicht groß sein würde, war mir klar gewesen, aber bitte: Propeller?!

Was für eine beengte Maschine. Meine Güte. Ich quetschte mich auf meinen Platz, ohne darauf zu achten, was bei Frau Meyer so lief. Plötzlich hörte ich unruhiges Stimmgewirr. Ich riskierte einen Blick nach vorn. Eine Flugbegleiterin stand bei Frau Meyer, welche, um es vorsichtig auszudrücken, ein wenig korpulent war. Leider war ihre direkte Sitznachbarin ebenfalls kein Leichtgewicht und es gab Probleme beim nebeneinander sitzen. Meine Güte, wäre mir das peinlich, aber Frau Meyer errötete noch nicht einmal. Sie war eine gestandene Frau. Das musste man ihr lassen. Selbstbewusst ging sie ihren Weg. Oh nein! Ihr Blick wanderte durch das Flugzeug und blieb an mir hängen. Kurzerhand tauschte sie den Platz mit meinem erstaunten Sitznachbarn.

Ja. Das lasst mal sacken. So kann es gehen.

Wenn meine Kolleginnen das erfuhren, würden sie wahrscheinlich lachend am Boden liegen. Da hatte ich mir solche Mühe gegeben und das Schicksal hatte einfach zugeschlagen. Nun blieb mir nichts weiter als mich tot zu stellen. Für die eine Stunde würde das gehen. Ich brauchte meine Müdigkeit nicht vortäuschen, gähnte und schloss die Augen, sobald die kleine Maschine den Steigflug einigermaßen hinter sich gebracht hatte.

Im Hotel erkundigte ich mich nach einem Laden, der irgendwie zu Fuß erreichbar war, um meinen Deo- und Haarsprayvorrat wieder aufzufüllen. Leider gab es keinen. Wer hätte das gedacht? Tatsächlich war man so nett und lieh mir ein klappriges Damenrad um damit den etwas weiter entfernten Supermarkt zu erreichen. Immerhin. Vielleicht wurde das Ganze doch noch was. Das Blatt begann sich zu wenden. Man soll ja positiv denken.

Ich radelte zu besagter Adresse und kam völlig erschöpft und verschwitzt dort an. Ich deckte mich mit den für mich hochwichtigen Utensilien ein, nahm mir noch ein Snickers mit und machte mich auf den beschwerlichen Rückweg. Aber ich würde von meinem Zimmer ja mit einer erfrischenden Dusche empfangen werden und konnte anschließend mein neues Deo testen.

Wenn ihr wirklich glaubt, alles wurde besser, kennt ihr mich schlecht. Nachdem der nächste Tag nicht nur furchtbar langweilig für mich verlief und schier endlos war, tagten wir auch noch lange genug, bis die Küche bereits geschlossen hatte. Okay. Hier kam mir zugute, dass ich mir am Vortag das Snickers mitgenommen hatte und somit nicht verhungern musste. Glück im Unglück oder wie sagt man so schön…

Tja, der Rest ging eigentlich, jedoch kehrte ich ohne Deo und Haarspray nach Hause zurück, da mir beides erneut am Flughafen abgenommen wurde. Der Rückweg war auch nicht gerade erquicklich, da ein Stau den anderen jagte, ja es wurde sogar ein Staukilometer-Rekord gebrochen… Hey, ich war dabei! Das kann auch nicht jeder von sich behaupten.

In diesem Sinne: Ich freue mich schon auf meine nächste Geschäftsreise.

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